Dawanda oder eigener Online Shop?

Hinweis: Diesen Artikel habe ich 1 Jahr vor dem Aus von Dawanda geschrieben. Da sieht man, wie wichtig es ist, unabhängig zu bleiben.

Dawanda ist ein Marktplatz für Selbstgemachtes im deutschsprachigen Raum und bietet sowohl einige Vorteile aber auch gewichtige Nachteile für Künstler und Kunsthandwerker, die ihre Werke verkaufen möchten.

Ich komm am besten gleich zur Sache und gebe dir einen Überblick über die Vor- und Nachteile von Dawanda und deinem eigenen Online Shop.

Vorteile und Nachteile von Dawanda

Vorteil: Dawanda ist bekannt und zieht viele User an bzw taucht in Google relativ weit oben auf.
Nachteil: Dawanda zieht damit automatisch auch viele Händler an und ist voll von ähnlichen Produkten, durch die sich der Besucher erst einmal wühlen muss. Um dem entgegenzuwirken kann man natürlich teure Werbung schalten, damit man besser entdeckt wird – was aber wiederum auch viele andere Händler nutzen.

Vorteil: Dein Shop bei Dawanda ist relativ schnell erstellt und du kannst loslegen.
Nachteil: Du hast nur minimale Möglichkeiten, deinen Shop anzupassen und bist in deinen Ideen sehr eingeschränkt.

Nachteil: Dawanda ist hauptsächlich auf Deutschland ausgerichtet. Die Versandkosten von Österreich nach Deutschland sind aber speziell 2017 sehr stark gestiegen (von Deutschland nach Österreich sind sie weit geringer). Eine Briefsendung „mit was drin“ kostet da gleich mal 6,90, wenn es „noch diesen Monat“ ankommen soll, und das noch „ohne Garantie“ 😀 . Mit schon ein bisschen mehr Garantie sind wir dann bei mindestens 9,90. Da sich viele Käufer heutzutage von Versandkosten abschrecken lassen, müsstest du die Versandkosten entweder ganz übernehmen (nur ein bisschen zählt nicht, selbst wenn du nur 1 Euro verlangen würdest, wie eine Studie von Amazon ergeben hat) oder die Kaufrate verringert sich dramatisch.

Nachteil: Dawanda verlangt hohe Gebühren. Für die Erstellung eines Produktes fallen je nach Verkaufspreis bis zu 0,30 Cent pro Produkt an und bei Verkauf 9,5% des Verkaufspreises! Neun komma fünf! Das sind zehn Prozent! 😀 ..die du Dawanda schenkst. Wieso solltest du das wollen, wenn du doch alles selbst in der Hand halten kannst?
Angenommen du verkaufst einen Anhänger für 19 Euro mit kostenlosem Versand, weil ihn ja sonst keiner kauft, bleiben dir etwa 10 Euro über, abzüglich aller Dawanda Gebühren (und davon kommen noch 20 % Steuern weg). Das ist, finde ich ein ganz schönes Stück. Da wundert es mich nicht, dass viele erfolgreiche Dawanda Shops aufhören und ihren eigenen Online Shop gründen. Und das ist garnicht mal so schwer 🙂

Nachteil: Da bei Dawanda sehr viele Privatleute ihr Zeugs verkaufen, diese meist keinen blassen Schimmer von wirtschaftlichem Arbeiten, selbständig sein oder Preisgestaltung haben, werden oft sogar qualitative Produkte dem Käufer hinterher geschmissen. Das macht es richtigen Unternehmern, die Steuern zahlen und vielleicht sogar noch Angestellte haben, schwer, ähnliche Produkte zu einem fairen Preis zu verkaufen. Selbstverständlich zählt auch die persönliche Note und auf Dauer hat natürlich derjenige mit der größeren Leidenschaft den längeren Atem, aber leichter macht das den Verkauf auf so einer Plattform sicherlich nicht.

Nachteil: Du bist abhängig von Dawanda. Je nachdem, was Dawanda heute oder morgen entscheidet, es kann dich ruinieren. Bestes Beispiel: Zum Jänner 2017 wurden die Gebühren verdoppelt! (Oder Dawanda schließt einfach!)

Nachteil: Du kannst keine Adwords schalten. Adwords sind bezahlte Anzeigen für deinen Online Shop – dazu muss die Domain aber dir gehören und Dawanda gehört dir nicht. Adwords sind aber gerade in den Anfangszeiten eine suuuuper Möglichkeit, herauszufinden, was den Leuten gefällt, wie sie auf den Shop reagieren, wonach sie suchen, welche Produkte sie lieben und so weiter. Bei Dawanda kannst du zwar auch – viel teurere – Werbung schalten aber mit Adwords hast du eine Menge mehr Möglichkeiten, insbesondere bei der Auswertung der Daten mit Google Analytics.

Nachteil: Du weißt nie genau, „woran’s liegt“. Einer meiner Online Shops läuft zum Beispiel in meinem eigenen Shop super, selbst nach Deutschland verkaufe ich mehr als nach Österreich. Bei Dawanda habe ich über 100 Produkte inseriert bei gleichen Versandbedingungen und es tut sich recht wenig. Hätte ich jetzt keinen eigenen Online Shop, würde ich wahrscheinlich die falschen Schlüsse ziehen, zum Beispiel, dass meine Produkte nicht beliebt sind und keinen interessieren (tun sie in meinem Shop aber). Woran liegt es also? Ich glaube, meine Produkte werden bei Dawanda kaum gesehen, da ich keine Werbung dort schalte. Sie gehen also quasi unter und der Vorteil, dass Dawanda mehr User kennen, als meinen Shop, bringt mir also gar nichts.

Ich teste Dawanda zwar immer noch, bin aber kein Dawanda Experte. Es gibt auch bei Dawanda sehr viele Zahnrädchen zu drehen und zu optimieren und nur weil man einmal was macht und es nicht funktioniert, heißt das nicht, dass Dawanda scheisse ist 😉 Aber ich entscheide mich lieber dafür, meine eigene „Maschinerie“ aufzubauen und zu verstehen und nicht die, eines Fremden. Das ist wie ein Haus mieten oder ein Haus kaufen. Das selbe Geld (Raten/Miete), die selbe Zeit, nur gehört es dir.

Vorteile und Nachteile deines eigenen Online Shops

Ich sag’s wie es ist: Dein eigener Online Shop hat genau 0 Nachteile. Wirklich. Garkeine Nachteile? Nein. Du musst nur … ui jetzt kommt das ABER… garnicht! Du musst nur Spaß daran haben, diese hochgradig spannende und intelligente Maschinerie Stück für Stück aufzubauen, ihr etwas beizubringen und von ihr zu lernen. Und das liegt uns Craftern eigentlich ganz besonders, das Tüfteln, Basteln und Erschaffen. Ein Online Shop ist eine künstliche Intelligenz, ein organisches Lebewesen voller kleiner Zahnrädchen, ein CYBORG, der wächst und immer besser und stärker wird…

Nagut, ich gerate ins Schwärmen. Also hier kommen Vorteile und spannende Aufgaben für dich. Oder wie Wall-E zu Eve sagen würde: Aufgaaabe?

Vorteil: Du hast keine Konkurrenz in deinem eigenen Online Shop und wenn es ähnliche Produkte gibt, dann sind es deine eigenen in der Cross-Selling Rubrik. (Das sind Produkte, die zu deinen Produkten passen).
Aufgaaabe? Du musst natürlich erst einmal gefunden werden. Aber das kannst du bei mir lernen. Suchmaschinenoptimierung und so.

Vorteil: Du hast mehr Möglichkeiten, dich auszuspinnen mit Design, Benutzerfreundlichkeit, A/B-Testing, Daten sammeln und davon mehr über deine Kunden und Produkte lernen, Adwords schalten (siehe oben), Suchmaschinenoptimierung, einem Blog,… und was dir jemals einfallen wird, die Welt steht dir in deinem eigenen Online Shop offen.

Vorteil: Du bist unabhängig und zahlst keine Gebühren.  Du kannst in deinem Shop machen, was du willst!
Aufgaaabe? Du baust deinen Shop selbst und das geht, ganz ohne horrende Erstellungskosten für einen Webdesigner. Diese Kosten fangen normalerweise bei mindestens 5.000 Euro an (ich kann das bestätigen, ich habe mehrere Jahre als Webentwicklerin gearbeitet). Ich zeige dir, wie du deinen eigenen Online Shop kostenlos erstellst – ganz ohne Vorkenntnisse.

Fazit und Empfehlung

Erstell dir lieber deinen eigenen Online Shop, später kannst du Dawanda ja probieren mit Produkten, die sich in deinem Shop bewährt haben. Umgekehrt, wenn du mit Dawanda startest, tut sich nämlich erfahrungsgemäß nicht sehr viel, was dir obendrein noch die Motivation rauben kann… á la „keiner braucht mich, keiner will was von mir“.

Ich persönlich halte es mit Dawanda genauso wie überall: Ich verlasse mich lieber auf mich selbst und habe alle Freiheiten, als die vermeintlichen Bequemlichkeiten einer Obrigkeit zu akzeptieren und mich dadurch von ihr abhängig zu machen. Denn schnippt sie mit dem Finger, ist man weg vom Fenster.

Einen eigenen Shop ohne riesen Erstellungskosten zu bauen ist sehr gut möglich und es macht vor allem Bastlern wie uns wahnsinnig Spaß.

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