Wie du bekommst, was du willst & warum ich 1 Jahr in Hotels gelebt habe

In diesem Artikel erzähle ich dir meine persönliche Geschichte, die von Willenskraft und Geduld handelt. Ich möchte dir damit zeigen, wie du bekommst, was du dir erträumst und wie wichtig es ist, deinen eigenen Weg zu verfolgen.

Es begann im Möbelhaus

Ich war gerade dabei, meine neue Couch an der Kassa zu bezahlen, als mich meine Mama an der Hand nahm und zu einer im Möbelhaus aufgebauten Bühne führte. Darauf stand ein Mann mit Mikrofon, der ein Gewinnspiel veranstaltete. Wer erriet, in welcher der 6 Schubladen einer Kommode sich 50 Euro versteckten, durfte sie behalten.

Wohl wissend, dass ich Spiele liebe, jedoch ein Gegner jeglicher Art von Gewinnspielen bin, schubste mich meine Mama auf die Bühne und sofort versammelte sich eine Menge neugieriger Zuschauer um mich. Der Mikrofonmann fragte mich, in welcher Lade von 1-6 ich die 50 Euro vermute und ich sagte schüchtern: „In der 5!„.

In den nächsten 10 Minuten bot er mir alle möglichen Ausflüchte und Alternativen an, damit ich die Lade aufgebe: von einer Schüssel über Dekozeug bis hin zu 20 Euro. Die Menge rief mir zu: „Nimm die Schüssel! Besser, als du kriegst gar nix!“. Ich lehnte alle Angebote ab und blieb entgegen aller Empfehlungen bei meiner 5.

Ich wollte keine Schüssel. Und auch nicht 20 Euro. Ich war hier, weil ich 50 Euro wollte und die waren meiner Meinung nach in der 5. Lade. Der Mikrofonmann zog einen letzten Joker aus dem Ärmel und wedelte verzweifelt mit 40 Euro vor meiner Nase herum. Doch ich war fest entschlossen, ihn zu besiegen und lehnte erneut ab. Schlussendlich gab er auf und öffnete die 5. Lade. Mit einem von mir eingebildeten, magischen Sound öffnete sich die Schatztruhe und darin leuchteten die 50 Euro, für die ich so hart gekämpft hatte.

Meine Mama starrte mich ungläubig an, umarmte mich glücklich und ich sagte: „DU wolltest, dass ich 50 Euro gewinne und keine blöde Schüssel!“. Auch noch Jahre später sollte ich mir diese Lektion, die ich an diesem Tag gelernt hatte, wieder in Erinnerung rufen: Bleib bei dem, was du willst!

Ich war im Begriff, aus meinem Miethaus ausziehen zu müssen, weil die Vermieterin es ihrem Enkelsohn weitergeben wollte. Zu dieser Zeit entstand gerade meine Vision für meine Berufsberatung und ich hatte schon eine Vorstellung, wie die Räumlichkeiten dafür beschaffen sein sollten. Ich wollte in einer großen Villa wohnen und dort auch andere Menschen beraten. Da diese Villa für mein aktuelles Budget zu groß war, wollte ich als Übergang ein Haus mieten, in der ich meine Vision in kleinem Rahmen verwirklichen konnte.

Miethäuser sind in meiner Region leider eher rar gesät, und so entsprach kein Miethaus, das ich besichtigt habe, meinen Vorstellungen.

Zieh doch in eine Wohnung

Hin und wieder spielte ich mit dem Gedanken, in eine Wohnung zu ziehen, doch von der Vorstellung, Berufsberatung neben meinem Wäscheständer zu machen, wurde mir regelrecht schlecht. Der Gedanke, meine Vision damit zu zerstören, machte mich sehr traurig.

Und so kam es, dass ich zum Auszugstermin kein neues Zuhause gefunden hatte. Ich hätte natürlich zu meinen Eltern ziehen können, doch ich wollte mir das Gefühl der Selbständigkeit unbedingt bewahren. Also blieb mir nichts anderes übrig, als in ein Hotel zu ziehen.

Der Tag meines Auszuges aus meinem geliebten Haus war schrecklich, 33 Grad heiß und voller Ungewissheit. Ich packte meine letzten 7 Sachen und instruierte das Umzugsunternehmen, meine Möbel und Kartons zu meinen Eltern zu bringen, die die Garage für mich freigeräumt hatten. Dort sollten meine Habseligkeiten für ungewisse Zeit auf mich und mein neues Leben warten.

12 minus 2 Tage bei 30°C Innentemperatur

Die erste Auffangstation war eine Frühstückspension, in der ich das letzte freie Zimmer für 12 Tage ergatterte. Dort angekommen, fühlte ich mich so verloren wie noch nie. Die neuen Gerüche, der Lärm des angrenzenden Bahnhofs, das fremde Bett. Meinen PC im Zimmer aufzubauen gab mir, so blöd es klingt, ein Gefühl von Sicherheit und Zuhause sein.

Die 30°C Innentemperatur des sonnenseitig gelegenen Zimmers bekämpfte ich mit nassen Haaren, denn Lüften konnte ich nicht viel: Tagsüber spielte in Sicht- und Hörweite das Enkelkind der Frühstückspension wohl zum ersten Mal Akkordeon.

Nach nur 10 von geplanten 12 Tagen zog ich in ein 3 Sterne Hotel. Für mehr Zuhause-Feeling schleppte ich meinen PC in den 2. Stock ohne Lift, mein Auto diente mir als Lager für meinen Edelstein Shop. Das Zimmer war so klein, dass ich meine Bestellungen auf dem Bett einpacken musste. Wo mir in der Frühstückspension dafür noch ein Couchtisch zur Verfügung stand, genoss ich dafür jetzt die wohltuende Abkühlung der Klimaanlage. Aaaah.

Den Herbst verbrachte ich in einem Sommerhäuschen am Teich, an dem ich schon als Kind den Karpfen beim Schwimmen zugesehen habe, ohne zu wissen, dass mir dieses Sommerhäuschen eines Tages ein Zuhause in der Not sein würde.

Es war sehr alt aber gepflegt und hatte nur eine Ausziehcouch, ein großer Kontrast zu dem 3 Sterne Hotel. Obwohl ich mich bisher eher zu den unflexibleren Menschen zählte, machte mir das erstaunlicherweise nicht viel aus. Inzwischen fand ich sogar Gefallen daran, mich auf die verschiedenen, neuen Situationen einzustellen und lernte, dass alles Vor- und Nachteile hat. Denn in meiner Lage freute ich mich schon darüber, dass es „mein eigenes Häuschen“ war, sogar mit kleiner Küche, Veranda und Innenhof für meinen Hund Ylvi.

So verbrachte ich viele schöne, sommerliche Tage auf meiner Veranda und begann, die ersten Pläne für meine Zukunft zu schmieden. Mit der Ausdehnung der räumlichen Grenzen um mich herum, begannen sich auch meine Gedanken & Ideen wieder zu entfalten.

Überwintern bei neuen Freunden

Zum ersten Mal das Gefühl, mich entspannen zu können, hatte ich 3 Monate nach meinem Auszug, als ich in mein erstes Ferienhaus ohne Ablaufdatum bei einer sehr herzlichen Familie einzog. Das Angebot, auf Dauer einziehen zu können habe ich jedoch dankend abgelehnt. Auch wenn das eine leichte Option gewesen wäre und meine verrückte Reise damit endlich ein Ende gehabt hätte, entsprach es nicht meinem inneren Bild und meiner Vision von meiner Zukunft.

Ich, der ungeduldigste Mensch der Welt, beschloss, weiterhin an meine Vision zu glauben und lernte, was Geduld wirklich bedeutet: Bei dem zu bleiben, was man will und seinen eigenen Weg weiterzugehen, sein Ziel zu verfolgen, egal wie lang es dauert.

So nutzte ich die Ruhe des Winters, um meine Pläne weiterzuschmieden und meine Vision zu stärken. Ich sah mich selbst in meinem neuen Haus, das voller Menschen, Arbeit, Leben und Leidenschaft war und dann endlich – nach 9 Monaten geduldig sein, hoffen, visualisieren und natürlich auch zweifeln, war es so weit: Ich hatte endlich ein Haus gefunden!

Eine schöne, kleine Villa mit 2 Etagen, einem Garten für meinen Hund Ylvi und sogar einem Pool. An meinem ersten Abend in meinem neuen Haus fühlte ich mich, als wäre ich den Jakobsweg hin und retour gegangen. Ich stand vor meinem eigenen, gemütlichen Bett, das fast 1 Jahr in der Garage meiner Eltern auf diesen Moment gewartet hatte und ließ mich fallen, als hätte ich keinen einzigen Knochen in meinem Körper.

Die Sturheit hat sich gelohnt

Als heimeliger und sicherheitsbedürftiger Mensch, der sich Zuhause am wohlsten fühlt, hatte ich große Angst vor dieser Ungewissheit und Zuhauselosigkeit. Dennoch habe ich mich für meine Vision und mein inneres Bild von meiner Zukunft und gegen meine Angst entschieden. Anstatt auf die Stimmen in meinem Umfeld und ja sogar „den gesunden Menschenverstand“ zu hören, habe ich auf mein inneres Bild gehört und alles abgelehnt, was diesem Bild in mir widersprach.

Heute betreibe ich in diesem Haus wie geplant meine Berufsberatung. Meine persönliche Reise war das größte Abenteuer in meinem ganzen, bisherigen Leben. Obwohl ich nur ein Haus wollte, hat das Leben mir viel mehr geschenkt: Die Gelegenheit, zu wachsen, selbstbewusster und flexibler zu werden und zu lernen, wie wichtig es ist, bei dem zu bleiben, was man will. Denn jetzt kann ich anderen Menschen mit Sicherheit sagen, es lohnt sich. Das Beispiel mit dem Möbelhaus wäre vielleicht etwas zu schwach gewesen ;).

Mit meiner persönlichen Geschichte möchte ich dich dazu ermutigen, deinen eigenen Weg zu gehen, egal wie lange es dauert. Triff Entscheidungen nicht aus Angst, sondern weil sie dich näher zu deiner Vision von dir selbst und deinem Traum-Leben bringen. Durch Entscheidungen, die auf dein inneres Bild zusteuern, schaffst du dir selbst deine eigenen Möglichkeiten. Und manchmal braucht man dazu einfach einen kleinen Schubs.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.